CaCTüS: Talent trifft Erfahrung

Erfolgreicher Abschluss der ersten Runde des internationalen Praktikumsprogramms “Computation and Cognition Tübingen Summer Internship“(CaCTüS)

5. Oktober 2022

Das internationale Praktikumsprogramm CaCTüS, das am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen ins Leben gerufen wurde, beendet erfolgreich seine erste Phase. Es zielt darauf ab, die Karrieren talentierter junger Forschender zu fördern, deren Zugang zu erstklassiger Hochschulbildung erschwert ist. Die diesjährigen Praktikant*innen aus fünf afrikanischen und asiatischen Ländern beeindruckten mit den Ergebnissen ihrer dreimonatigen Forschungsprojekte.
 

Es ist ein besonderer Abend am Max-Planck-Campus Tübingen: Fünf Forschungstalente aus Indien, Indonesien, Kamerun, Nigeria und den Philippinen präsentieren einem faszinierten Publikum ihre Arbeit der vergangenen drei Monate.
Das Symposium ist nicht bloß irgendeine wissenschaftliche Veranstaltung unter vielen. Die Vortragenden an diesem Abend wurden für ein CaCTüS-Praktikum ausgewählt, ein Programm für junge Forschende, die in ihrer Karriere von erheblichen Hindernissen zurückgehalten werden. Gleich, ob diese Hindernisse persönlicher, finanzieller, regionaler oder gesellschaftlicher Art sind – das Praktikum öffnet den Studierenden Türen, ermöglicht ihnen den Zugang zu exzellenten Forschungseinrichtungen und vernetzt sie mit herausragenden Forschenden. Während ihrer voll finanzierten Praktika arbeiteten die ausgewählten Nachwuchstalente an wissenschaftlichen Projekten am MPI für biologische Kybernetik in Tübingen.

Zwischen Forschung und Networking

Einer der fünf Nachwuchforschenden im Zentrum der Aufmerksamkeit dieses Abschlusssymposiums ist Olayiwola Arowolo. Der junge Nigerianer, der seinen Masterabchluss in Elektroingenieurwesen an der Carnegie Mellon University in Ruanda erworben hat, brachte in Tübingen seine Expertise in maschinellem Lernen ein. Die ihn aufnehmende Forschungsgruppe untersucht das Verhalten und die Gehirnaktivität von Zebrafischen mit Hilfe speziell entwickelter Mikroskope, die dem Fisch folgen. „Das Problem ist, dass Zebrafische zu plötzlichen Bewegungen neigen. Dadurch wird es für das Mikroskop schwierig, sie zu verfolgen“, erklärt Arowolo in seiner Abschlusspräsentation. Seine Aufgabe war daher, die Methoden zur Vorhersage der Fischbewegung zu verbessern.
„Ich dachte, ich wüsste alles über dieses Thema“, kommentiert Drew Robson, der das Projekt betreute. „Aber Ola hat mich eines Besseren belehrt. Er hat uns mit einem neuen probabilistischen Vorhersagealgorithmus bekanntgemacht, der die Leistung des Trackings erheblich verbessern wird.“

Robson war so begeistert vom Erfolg des Praktikums, dass er sich entschied, als Program Chair für CaCTüS Verantwortung zu übernehmen. Er tritt damit die Nachfolge von Franziska Bröker an. Bröker, die das Programm ins Leben gerufen hatte, freut sich über den Erfolg ihrer Initiative und harten Arbeit: „Die Praktika haben sich als enorm nützlich für die Studierenden, aber auch für unsere Forschungsgemeinschaft vor Ort erwiesen.“

Für die Praktikant*innen war es ein Sommer voller neuer Erfahrungen. Viele von ihnen hatten noch nie ihr Heimatland verlassen, einen internationalen Flug genommen oder in einem multinationalen Team gearbeitet. Um ihnen den Start zu erleichtern, wurden ihnen Buddies zur Seite gestellt: Promovierende des MPI für biologische Kybernetik halfen ihnen, sich im Institutsalltag zurechtzufinden, interessante Freizeitaktivitäten zu finden und sich schnell in ihrer neuen Umgebung einzuleben. Das Programm wurde auch von vielen ergänzenden Veranstaltungen flankiert, darunter eine große Bandbreite von Softskillkursen, Karriereberatung sowie Networking-Veranstaltungen. „Diese ergänzenden Module haben mir wirklich gut dabei geholfen, mich auf meinen nächsten Karriereschritt vorzubereiten“, sagt Ramya Warrier, Absolventin der Psychologie und Kognitionswissenschaft aus Indien.
Das Rahmenprogramm von CaCTüS wurde von der Hanrieder Foundation for Excellence durch den Hanrieder Impact Fund ermöglicht. Die 2015 von Wolfgang Hanrieder unter der Schirmherrschaft der Max-Planck-Stiftung gegründete Hanrieder Foundation for Excellence unterstützt herausragende Nachwuchsforschende dabei, Erfahrungen in führenden Forschungszentren im Ausland zu sammeln, und möchte so einen internationalen Austausch von Exzellenz in der Forschung fördern.

Erste Schritte hin zu internationalen Forschungskarrieren

Das CaCTüS-Praktikum ist für die fünf Studierenden ein erster Schritt auf die internationale Bühne. Olayiwola Arowolo, der mit seiner Begeisterung für maschinelles Lernen die Zebrafischbeobachtung verbesserte, hat bereits eine Doktorandenstelle in den Niederlanden ergattert, während die anderen Studierenden in weitere europäische Länder und die USA ausschwärmen möchten.

Die neue Bewerbungsrunde für CaCTüS-Praktika beginnt am 17. Oktober. Diesmal sind zehn Stellen zu besetzen, die sich zu gleichen Teilen auf das MPI für biologische Kybernetik und zwei seiner Nachbarinstitutionen aufteilen: dem MPI für Intelligente Systeme und dem Tübingen AI Center, einem Kompetenzzentrum für maschinelles Lernen unter Beteiligung des MPI für Intelligente Systeme und der Universität Tübingen. Während die fünf Studierenden sich voneinander und von ihren wissenschaftlichen Gastgebern verabschieden, laufen bereits die Vorbereitungen für den Auswahl- und Aufnahmeprozess für die neue Generation vielversprechender Nachwuchsforschender.

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