Von damals bis heute...

Von damals bis heute...

Die Geschichte des Instituts

Die Ursprünge des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik gehen auf die "Forschungsgruppe Kybernetik" zurück. Diese Gruppe wurde 1958 von Otto Hahn und auf Initiative von Wolfhard Weidel, Georg Melchers und Alfred Kühn gegründet. Sie setzte sich aus dem Zoologen Bernhard Hassenstein, dem technischen Physiker Hans Wenking und dem theoretischen Physiker Werner Reichardt zusammen. Nach dem Weggang von Hassenstein im Jahr 1960 entstand daraus eine selbständige Abteilung unter der Leitung von Werner Reichardt. Diese wurde zur Keimzelle des 1968 gegründeten Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik.

Bau der Abteilung Reichardt als vierte Abteilung des MPI für Biologie im Jahr 1965. Teil des ersten Gebäudes des MPI für biologische Kybernetik.

Bereits 1965 weihte Adolf Butenandt, damals Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, den ersten Trakt des heutigen Gebäudes ein. Hier befand sich die Abteilung von Werner Reichardt, damals die vierte Abteilung des MPI für Biologie.

Das Institut in seiner heutigen Form wurde 1968 mit Werner Reichardt, Karl Georg Götz, Kuno Kirschfeld und Valentin Braitenberg als Direktoren gegründet. Von Anfang an konzentrierten sich die Forschungsinteressen des Instituts auf die Erfassung und Verarbeitung visueller Informationen im Nervensystem, ursprünglich durch die Verhaltensanalyse des visuellen Systems von Insekten. Allen vier Gründungsdirektoren war klar, dass eine detaillierte und quantitative Verhaltensstudie indirekt hervorragende Einblicke in die informationsverarbeitenden Mechanismen des Gehirns liefern und die Grundlage für nachfolgende funktionelle und strukturelle Studien mit invasiven neurowissenschaftlichen Methoden bilden würde.

Mit den Fortschritten in der Wahrnehmungsforschung und Innovationen im Bereich der experimentellen Werkzeuge hat sich der thematische Fokus des Instituts auf die Aufklärung kognitiver Prozesse verlagert. Die Abteilung Neuroanatomie, unter der Leitung von Valentin Braitenberg, sowie die Abteilung für Vergleichende Neurobiologie, unter der Leitung von Kuno Kirschfeld, wechselten ihre Schwerpunkte von der Insektenforschung zur Forschung an Wirbeltieren. Die Abteilung Braitenberg befasste sich vor allem mit der Struktur und Funktion der Grosshirnrinde und des Kleinhirns, die Abteilung Kirschfeld schwerpunktsmäßig weiterhin mit dem Sehsystem unter Einbeziehung von Wirbeltieren bis hin zum Menschen.

Next Generation

Die thematische Verschiebung der Forschungsschwerpunkte des Instituts spiegelt sich jedoch am besten in den ernannten Direktoren der letzten 18 Jahre wider. Ihre Abteilungen für Menschliche Wahrnehmung, Kognition und Handlung, die 1993 gegründet wurde, für Physiologie der kognitiven Prozesse, die 1997 gegründet wurde, Empirische Inferenz, die 2002 gegründet wurde, und schließlich die Abteilung für Hochfeld-Magnetresonanz, die 2003 gegründet wurde, wenden ergänzende methodische Ansätze für die Systemanalyse komplexer Prozesse im Gehirn von Primaten an.

Im Februar 2011 wurde Klaus Scheffler, Professor am Werner Reichardt Centre for Integrative Neuroscience (CIN), zum Max-Planck-Fellow der Max-Planck-Gesellschaft ernannt. Er ist der Leiter des Magnetresonanzzentrums.

Im Laufe der Jahre 2009 und 2010 führte eine Initiative von Bernhard Schölkopf, Direktor der Abteilung für Empirische Inferenz, zur Gründung eines neuen Instituts in Tübingen, dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Dieses Institut ist aus dem Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart hervorgegangen und ist teilweise auch noch dort angesiedelt.

Dritte Generation von Direktoren

Für die Abteilungen für Computational Neuroscience und für Sensorische und Sensomotorische Systeme, konnte die Max-Planck-Gesellschaft 2018 zwei Wissenschaftler gewinnen, die mit ihrer Expertise ideal zum Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und seiner Tradition passen, theoretische und experimentelle Neurowissenschaften zu verbinden. In den kommenden Jahren sollen weitere Direktoren berufen werden, um die Zahl von fünf Abteilungen zu komplettieren.



Was bedeutet eigentlich "biologische Kybernetik"?

Kybernetik ist von den griechischen Wörtern ‚kybernitiki‘ (das Wissen vom Steuern) und ‘kybernitis‘ (der Steuermann) abgeleitet. Es bezeichnet die Wissenschaft, bei der es um die Steuermechanismen von Menschen, Tieren und Maschinen geht: Kybernetiker wollen das Verhalten von Tieren und Menschen verstehen und Modelle und Maschinen entwickeln, die intelligent auf bestimmte äußere Einflüsse reagieren können. Um Verhalten erklären zu können, muss man es nicht nur beobachten, messen und beschreiben, sondern auch die zugrunde liegenden biologischen Prozesse verstehen. Dabei spielt die Informationsverarbeitung in den Nervensystemen der Organismen eine entscheidende Rolle. Bei künstlichen Systemen, den ‚Maschinen‘, ist die Zuordnung meistens viel einfacher, weil sie fast immer für bestimmte Zwecke konstruiert sind und im Gegensatz zum Gehirn oft nur oder überwiegend aus informationsverarbeitenden Strukturen bestehen. Die biologische Kybernetik hat sehr viele verschiedene Forschungsansätze hervorgebracht und zum gegenseitigen Nutzen miteinander vernetzt. So hat sie eine sehr breit gefächerte Forschung an den verschiedensten Tierarten aus dem Fundus der biologischen Evolution in Gang gesetzt und viele biologisch inspirierte künstliche Modelle untersucht, die teilweise die Entwicklung technischer Systeme nachhaltig beeinflusst haben. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die neuronalen Netze in der Informatik.

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