EinBlick – Forschung verständlich

Ein monatliches Wissensforum für alle

Der Max-Planck-Campus Tübingen ist mit seinen drei Max-Planck-Instituten für Biologie, biologische Kybernetik und Intelligente Systeme weltweit ein Synomym für Wissenschaft auf internationalem Spitzenniveau. Die neue deutschsprachige Vortragsreihe des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik bietet Ihnen Einblicke in unsere Grundlagenforschung und macht Sie mit den Forschenden an unseren Einrichtungen bekannt. Zugleich möchten wir den Austausch fördern: In diesem Forum können Sie Fragen stellen und mit uns diskutieren.

Von Januar bis Mai 2026 laden wir Sie ein, verschiedene Forschungsfelder der Neurowissenschaften kennenzulernen, Bekanntes zu vertiefen oder neue Perspektiven einzunehmen. Sind Sie bereit für konstruktive Gespräche mit uns? Wir freuen uns auf Sie, Ihre Fragen und Anregungen. Start ist am 21. Januar. 
 

Ort: Hörsaal des Max-Planck-Hauses, Max-Planck-Ring 6, 72076 Tübingen
Uhrzeit: 18:00 Uhr c.t. 
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Sprache: Deutsch

Anmeldung: Um Anmeldung wird gebeten. Registrieren können Sie sich über den Link unter dem jeweiligen Vortrag. Bei zu wenigen Anmeldungen behalten wir uns vor, die jeweilige Veranstaltung abzusagen. In diesem Fall werden Sie per E-Mail benachrichtigt. 

Vorträge

21. Januar 2026, 18:00 Uhr
Manuel Spitschan: Warum 24 Stunden nicht gleich 24 Stunden sind: Ein Crashkurs zur Chronobiologie

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In diesem Vortrag gibt Max-Planck-Forschungsgruppenleiter Manuel Spitschan einen verständlichen Einblick in die faszinierende Wissenschaft der inneren Uhr – die Chronobiologie. Er erklärt, wie Licht, Schlaf und der Alltag zusammenhängen, wie unser Körper auf Tag und Nacht reagiert und warum die „biologische Zeit“ nicht immer mit der Uhrzeit übereinstimmt.
Anhand anschaulicher Beispiele aus der aktuellen Forschung zeigt er, wie moderne Messmethoden helfen, unser individuelles Zeitgefühl und unseren Schlaf besser zu verstehen – und was wir daraus für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lernen können.
Ein Vortrag für alle, die wissen wollen, warum Zeit mehr ist als das, was die Uhr anzeigt.
 

25. Februar 2026, 18:00 Uhr
Thomas Ott: Biologische Prozesse verstehen: Wie können uns Tiermodelle helfen?

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Das Verständnis biologischer Prozesse kann helfen, Krankheiten des Menschen zu verstehen und Therapien zu entwickeln. Hierbei werden in der medizinischen Wissenschaft eine Vielzahl an Methoden angewendet. Ein in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierter Ansatz stellen hierbei Tiermodelle und Tierversuche dar, die angewendet werden müssen, wenn sich die Fragestellung nicht hinreichend mit alternativen Methoden wie Zellkulturen oder Organoiden untersuchen lässt. Durch genetische Anpassungen, standardisierte Lebensbedingungen und kontrollierte Experimente können Forschende Abläufe wie Entwicklung, Stoffwechsel, Krankheiten oder Reaktionen auf Medikamente beobachten – ohne unmittelbare Tests am Menschen durchführen zu müssen. Beliebte Modelle sind Nager (Mäuse und Ratten), Zebrafische, Fruchtfliegen (Drosophila) und Fadenwürmer. Jedes Modell hat Stärken. Mäuse ähneln in vielen Organfunktionen dem Menschen, Zebrafische entwickeln sich schnell und ermöglichen Bildgebung im lebenden Tier. Ergebnisse müssen sorgfältig übertragen und ethische Aspekte berücksichtigt werden. Am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik werden deshalb verschiedene Ansätze gewählt. Das schließt alternative Methoden, direkte Versuche mit menschlichen Probanden, aber auch Versuche mit Tieren mit ein.
 

18. März 2026, 18:00 Uhr
Svenja Brodt: Nachts im Gehirn: Einblicke in die vielfältigen Funktionen von Schlaf

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Dieser Vortrag nimmt mit auf eine Reise in die Welt der nächtlichen Hirnprozesse. Statt einfach nur „abzuschalten“, arbeitet unser Gehirn im Schlaf auf Hochtouren – und erfüllt Aufgaben, die für unser Erinnerungsvermögen, unsere geistige Gesundheit und die Pflege des Gehirns unverzichtbar sind. Ausgehend von den charakteristischen Gehirnaktivitäten, die die verschiedenen Schlafphasen prägen, erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer, wie diese Zustände entstehen und warum sie so unterschiedlich wirken. Der Vortrag beleuchtet, wie Schlaf zur Gedächtnisverarbeitung beiträgt und weshalb bestimmte Schlafphasen entscheidend dafür sind, dass Informationen stabil gespeichert werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem nächtlichen „Reinigungsdienst“ des Gehirns, der schädliche Stoffwechselprodukte abbaut – ein Prozess, der tagsüber kaum stattfinden kann. Mit Einblicken aus der aktuellen Forschung zeigt der Vortrag, wie unser Schlaf das Gehirn schützt, formt und erneuert – und warum er weit mehr ist als eine Pause vom Alltag.
 

29. April 2026, 18:00 Uhr
Pascal Fries: Gehirn-Computer-Schnittstellen: Die nächste technologische Revolution?

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Das menschliche Gehirn ist ein elektrisches Organ – seine Informationsverarbeitung beruht auf fein abgestimmten elektrischen Signalen. Warum also nicht auch medizinisch elektrisch interagieren, statt nur chemisch über Medikamente? Während Medikamente zwar an bestimmten Rezeptoren wirken, fehlt ihnen die räumliche und zeitliche Präzision, die elektrische Signale bieten können. Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche elektrische Therapie ist der Herzschrittmacher – das Herz ist ebenfalls ein elektrisches Organ. Nach diesem Vorbild entstehen derzeit faszinierende neue Ansätze, um auch mit dem Gehirn zu interagieren. So können elektrische Systeme nicht nur messen, sondern auch stimulieren – und beides in Echtzeit miteinander verbinden. Diese sogenannten Closed-Loop-Systeme eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Therapie und Interaktion mit dem Gehirn. Die Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson ist dabei die bisher größte Erfolgsgeschichte: Über 200.000 Patientinnen und Patienten weltweit profitieren bereits davon – viele mit beeindruckendem Erfolg. Im Vortrag werden dazu anschauliche Videos gezeigt. Aber die Entwicklung geht weiter: Start-ups wie Neuralink von Elon Musk arbeiten an „Breitbandverbindungen“ zum Gehirn, um verlorene Bewegungsfähigkeit oder Sinneseindrücke zu ersetzen. Andere, wie Inner Cosmos oder Motif Neurotech, konzentrieren sich auf die Behandlung von Depressionen und Angststörungen durch gezielte Stimulation bestimmter Gehirnregionen. Diese technischen Fortschritte haben zu einem regelrechten Boom im Bereich der Gehirn-Computer-Schnittstellen geführt – einem Zukunftsfeld, das gerade dabei ist, völlig neue Möglichkeiten in der Behandlung von psychischen und neurologischen Erkrankungen zu eröffnen.
 

20. Mai 2026, 18:00 Uhr
Gabriele Lohmann: Im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine: Künstliche Intelligenz und Magnetresonanztomographie in der Hirnforschung

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Künstliche Intelligenz (KI) hat sich zu einem entscheidenden Werkzeug in der modernen Wissenschaft entwickelt, inspiriert von den komplexen Funktionsweisen des menschlichen Gehirns. In diesem Vortrag wird die Rolle von neuronalen Netzen und modernen, hochauflösenden Magnetresonanztomographien (MRT) in der Neurowissenschaft beleuchtet.
Wir zeigen, wie KI-Technologien dazu beitragen, umfangreiche Daten zu analysieren, Muster in der Gehirnaktivität zu erkennen und neue Forschungsfragen zu formulieren. Gleichzeitig diskutieren wir, wie neurowissenschaftliche Erkenntnisse die Entwicklung intelligenter Algorithmen vorantreiben. Dieser Vortrag bietet einen faszinierenden Einblick in den Dialog zwischen biologischem Wissen und maschinellem Lernen – klar verständlich und anschaulich präsentiert.

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