Biologische Bewegung zeichnet sich durch außergewöhnliche Effizienz, Variabilität und Anpassungsfähigkeit aus. Die enge Kopplung von Morphologie und komplexer Informationsverarbeitung ermöglicht robuste und stabile Bewegungsmuster, selbst unter wechselnden Umweltbedingungen. Entscheidend ist, dass biologische Systeme ihre Bewegungsstrategien autonom durch Lernen entwickeln und dabei effizient mit verfügbaren Energiequellen umgehen. Diese Eigenschaften machen sie zu einer wertvollen Inspirationsquelle für die Entwicklung moderner robotischer Systeme. In unserer Forschung versuchen wir, die Prinzipien der biologischen Fortbewegung zu verstehen – insbesondere durch Modellierung und Simulation – und diese systematisch in technische Anwendungen zu übertragen. Neben dem grundlegenden Verständnis der motorischen Kontrolle ist es unser Ziel, autonome, energieeffiziente und adaptive Roboterarchitekturen zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Mensch-Maschine-Schnittstelle, um technische Systeme nahtlos in den menschlichen Bewegungsapparat zu integrieren und funktional zu erweitern. In meinem Vortrag gebe ich einen Überblick über den aktuellen Stand der Neuromechanik an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, Robotik und Biomechanik. Anhand des Falls „Badewannenmord – der keiner war“ zeige ich, wie Fortschritte in der Neuromechanik dazu beigetragen haben, einen zu Unrecht verurteilten Mann nach 4915 Tagen beziehungsweise 13,5 Jahren Haft wieder in die Freiheit zu bringen. Um Anmeldung wird gebeten.