Neuer Humboldt-Fellow bringt neue Perspektiven in die Lichtforschung

Taisuke Eto wird individuelle Unterschiede in der Lichtempfindlichkeit erforschen
 

30. März 2026

• Humboldt-Stipendiat Taisuke Eto wird zwei Jahre lang im Team von Manuel Spitschan am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forschen.
• Er untersucht, wie sich Menschen in ihrer Lichtempfindlichkeit unterscheiden.
• Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Lichttherapien für Erkrankungen wie zirkadiane Schlafstörungen und Winterdepressionen zu personalisieren.

Seit März 2026 hat das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik mit Taisuke Eto einen neuen Forscher in seinen Reihen. Er kommt im Rahmen des renommierten Humboldt-Forschungsstipendiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ans Institut und wird zwei Jahre lang in der Forschungsgruppe Translationale sensorische und zirkadiane Neurowissenschaften unter der Leitung von Manuel Spitschan arbeiten.
Etos Weg in die zirkadiane Forschung war ungewöhnlich: In seinem Masterstudiums widmete er sich der Optik, insbesondere optischen Speichern. Nach seinem Abschluss entschied er sich jedoch, seinen Schwerpunkt auf Fragestellungen mit direktem Bezug zum Menschen zu verlagern. „Das Thema der Lichtempfindlichkeit war für mich ein idealer Brückenschlag“, erklärt er. „Es verbindet die Physik des Lichts mit unserer Biologie und unserem täglichen Leben.” Diesen Fokus verfolgte Eto in seiner Doktorarbeit an der Kyushu-Universität, die er vor fünf Jahren unter der Leitung von Shigekazu Higuchi abschloss. Anschließend nahm er eine Postdoc-Position am National Center of Neurology and Psychiatry in Tokyo an. 

Hin zu personalisierter Lichttherapie

Am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wird Eto untersuchen, wodurch individuelle Unterschiede in der Lichtempfindlichkeit bedingt sind. Lichtempfindlichkeit variiert in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und anderen biologischen Faktoren; doch die Bandbreite individueller Unterschiede geht über diese allgemeinen Muster hinaus. So können beispielsweise einige Menschen nur in dunkler Umgebungen gut einschlafen, während andere merklich weniger durch nächtliches Licht beeinträchtigt werden. Die Ursachen dieser Unterschiede zu verstehen, ist das zentrale Ziel seines Forschungsprogramms.
Die Ergebnisse könnten für gesundheitliche Anwendungen relevant sein. Mit dem gezielten Einsatz von hellem Licht können bereits heute Winterdepressionen, zirkadiane Schlafstörungen und andere schlafassoziierte Erkrankungen behandelt werden. Bisher wird Lichttherapie jedoch ohne Differenzierung nach individuellen Bedürfnissen angewendet. „Wenn wir besser verstehen, wie Menschen unterschiedlich auf Licht reagieren, können wir Therapien individuell anpassen“, erklärt Eto. „Das bedeutet eine effektivere Behandlung von Stimmungs- und Schlafstörungen, aber auch eine Lichtgestaltung im Alltag, die Gesundheit und Wohlbefinden jedes Einzelnen unterstützt.“

Ein vielversprechender Neustart 

Für seine Forschung hätte Eto kaum ein passenderes Umfeld finden können als die Gruppe Translationale sensorische und zirkadiane Neurowissenschaften. „Die Arbeit von Manuel Spitschan ist unter den Forschenden auf diesem Gebiet sehr anerkannt”, sagt er. „Teil seines Teams zu werden und von den Kolleg:innen zu lernen, ist eine großartige Chance.”
Außerhalb der Arbeit lebt sich Eto gut in Tübingen ein, und die Stadt gefällt ihm sichtlich. Für jemanden, der sein ganzes Leben in Japan verbracht hat, ist der Umzug ein großer Schritt, doch er geht ihn mit Begeisterung. Als leidenschaftlichem Wanderer kommt ihm besonders die unmittelbare Nähe zur Schwäbischen Alb gelegen; außerdem freut er sich darauf, die lokale Bierkultur kennenzulernen. Er ist mit seiner Frau und seinen beiden Kindern gekommen, und auch sie finden sich langsam ein. Alles sieht nach einem vielversprechenden Start aus – im Institut und darüber hinaus. 

 

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